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2007

Das Wintermärchen

Die Geschichte

 

Leontes, der König von Sizilien bezichtigt seine Gattin Hermione des Ehebruchs. Doch damit nicht genug: Die gute Königin ist im neunten Monat schwanger und ihr angeblicher Lover ausgerechnet des Königs engster Freund Polixenes, König von Böhmen. Entgegen allen Beteuerungen der Hofgesellschaft hält Leontes an seinem Wahn fest und beauftragt sogar seinen ergebensten Vertrauten, Camillo, zum Mord an Polixenes. Diesem gelingt zusammen mit Camillo die Flucht in die Heimat. Hermione jedoch, die inzwischen ihre Tochter Perdita im Kerker geboren hat, soll zum Tode verurteilt und das Neugeborene in der Wildnis ausgesetzt werden, da Leontes es nicht als eigenes anerkennt.

Erst als dem König die Nachricht vom Tode ihres ersten Sohns und seiner verzweifelten Frau überbracht wird, werden ihm die Augen geöffnet – Scheinbar zu spät.

Nach einem Zeitsprung von sechzehn Jahren ist Perdita eine junge Dame geworden. Dank eines Zufalls, oder Himmelsfügung, war das ausgesetzte Kind ausgerechnet an der Küste Böhmens von einem Schäfer entdeckt worden. Dieser nahm sie als Tochter an und zog sie groß. Florizel, er Sohn des dort herrschenden Königs Polixenes ist fest entschlossen Perdita zu heiraten, entgegen allen Standesgrenzen. Um dem Zorn seines Vaters darüber zu entgehen, fliehen die beiden nach Sizilien und werden dort am Hofe des noch immer trauernden Leontes empfangen.

Es kommt zu einem glücklichen Wiedersehen zwischen den alten Freunden und Königen wobei Perditas wahre Identität als Königstochter enthüllt wird. Die Freude darüber wird nur getrübt durch das Fehlen Hermiones.

Ihr zu Ehren wird jedoch ein Standbild entschleiert, das seinem lebendigen Vorbild auf besondere Weise gleicht.

Ob Traum oder Wirklichkeit: Am Ende ist es gar Hermione selbst, die von ihrem Podest heruntersteigt und Leontes eine zweite Chance schenkt.

 

Die Inszenierung

 

Das Stück ist zeitlich und örtlich zweigeteilt. Der eine Teil spielt im farblosen, winterlichen Sizilien, in dem die fatale Geschichte ihren Lauf nimmt. Eifersucht und Hass, Trauer und Verzweiflung dominieren und sollen mittels der Winterfarben Schwarz und Weiß in Bühnenbild und Kostüm unterstrichen werden.

Obwohl im frühlingshaften Böhmen Polixenes nahe daran ist, denselben Fehler wie Leontes zu begehen, in dem er seinen Sohn, notfalls mit Gewalt von seiner Hochzeit abhalten will, herrscht dennoch ausgelassene Stimmung. Böhmen wird zum Land der Hoffnung, in dem es gerade nicht zur Katastrophe kommt. Perditas und Florizels ideale Liebe gibt Halt und Sicherheit und bildet damit das Gegenstück zu Leontes’ Misstrauen und Eifersucht. Dementsprechend verändern sich auch Kostüme und Bühnenbild. Farbenfreude und Leichtigkeit werden zu betonten Elementen.

In unserer Inszenierung wandelt sich auch Hermione. Ihre Rolle beinahe als Heilige, wie sie von allen gesehen wird, hat sie in ihrem letzen Auftritt abgelegt. Dieser Akt ist nicht nur eine Art der Selbstbefreiung sondern beinhaltet auch eine Reaktion auf Leontes Verhalten. In dem sie ihm eine zweite Chance bietet, nimmt sie sich ihrerseits das Recht auf eine größere Selbstbestimmung.

Wie in den meisten Shakespeare-Stücken sind sie und Paulina die besten Repräsentantinnen für ein emanzipiertes Frauenbild und die wahren Heldinnen der Geschichte.

Leontes muss den Wandel seiner Frau akzeptieren – oder das Angebot auf die zweite Chance ablehnen.

 

Dieses eher unbekannte Stück Shakespeares behandelt nicht die Frage der Ursachen von Eifersucht und Hass, sondern zeigt den Umgang mit deren Existenz. Dabei ist die Liebe die, mit der alles steht und fällt. Mit ihrer Hilfe sind Welten umzustürzen aber ihr Fehlen kann Welten zerstören. Dieses Motiv wird durch unsere Leitmusik „gracias a la vida“ (Dank des Lebens) unterstrichen, das von Anfang an und auch im verzweifeltsten Augenblick Trost verspricht.